Sexismus im Surfsport: Meine Erfahrungen als Anfängerin

Sexism in Surfing

Sexismus im Surfsport ist weitverbreitet. Themen wie Sponsoring, Konditionen für Wettkämpfe oder die generelle Darstellung von Frauen als Sexsymbole und Männer als vitale, furchtlose Athleten werden immer wieder angesprochen. Hier möchte ich einen anderen Aspekt thematisieren und zwar der Sexismus, mit dem ich als Surf-Anfängerin konfrontiert wurde. Während meiner Reise durch Lateinamerika im letzten Jahr wurden mir immer wieder sexistische Verhaltensweisen entgegengebracht, und das übrigens von Männern unterschiedlicher kultureller Hintergründe.

Am Anfang ist es mir gar nicht aufgefallen. Ich habe meine Rolle als unbeholfene Anfängerin, die auf männliche Hilfe angewiesen ist, gar nie hinterfragt. Das Bild vom durchtrainierten, flirtigen Surflehrer mit seinen tollpatschigen Surfschülerinnen hat sich schon so in unseren Köpfen eingeprägt, dass wir diese Rollenverteilung als normal wahrnehmen. Aber wenn man darauf achtet, merkt man, dass vieles rund um diese Sportart als sexistisch bezeichnet werden kann.

Aber ich möchte auch fair bleiben. Ich war schon mit vielen Jungs surfen, die zuvorkommend waren, mir gute Ratschläge gaben und mir in kritischen Momenten aus der Patsche halfen. Der Grat zwischen nett sein und sich in einer sexistischen und geschlechtsspezifischen Weise zu verhalten, ist aber schmal.

Hier mal ein paar Beispiele, was ich an Sexismus beim Surfen alles so erlebt habe:

Als Surfanfängerin wurde mir immer wieder von wild fremden Männern das Surfen erklärt. Ich hatte wohl schon fünfzig verschiedene Surflehrer. Bezahlt habe ich für vier davon und die restlichen waren selbsternannte.

Letztes Jahr in Peru zum Beispiel lernte ich in einer Herberge einen Mann kennen und verabredete mich mit ihm zum Surfen. Zu meiner Überraschung tauchte er ohne Surfbrett auf. Er wollte sich voll und ganz mir widmen und mir das Surfen beibringen. Dieser Mann hatte mich noch nie beim Surfen gesehen und er hatte auch keine Vorkenntnisse über meine Fähigkeiten diesbezüglich.

Ich weiss, das seine Absichten gut waren aber ich weiss auch, dass er seine Annahme, nämlich dass ich seine Hilfe brauche, nur auf Grund meines Geschlechts getroffen hat.

Auf derselben Reise, einige Wochen früher, unterhielt ich mich flüchtig mit einem Mann am Strand und ging anschliessend surfen. Aus dem Nichts tauchte er plötzlich ohne Surfbrett im Wasser auf und informierte mich, dass er gekommen sei um mir zu helfen. Dass ich das gar nicht wollte, interessierte ihn nicht. Und dass es dabei gar nicht ums Surfen ging, war mir auch klar. Als ich mich in den folgenden Tagen nicht seinen Erwartungen entsprechend „bedankte“, schenkte er mir keine Beachtung mehr und versuchte sein Glück bei der nächsten Frau.

Solche oder ähnliche Szenen spielten sich praktisch täglich ab, wenn ich als Anfängerin alleine surfen ging. Tatsache ist, dass keiner dieser „Lehrer“ mir jemals dabei geholfen hat, eine bessere Surferin zu werden. Anstatt mich zu unterstützen und zu motivieren, entschieden sie für mich und gaben mir Anweisungen. Am schlimmsten fand ich es dann, wenn sie dabei noch mein Surfbrett festhielten und mir damit jegliche Entscheidungsfreiheit entzogen. Ich habe nichts gegen ein paar gute Ratschläge unter Kollegen aber diese Art von Bevormundung von Surfern, die ich gar nicht kenne, brauche ich nicht.

Noch schockierender für mich ist die Tatsache, dass mir auch dann von Surfern nichts zugetraut wurde, wenn ich an Land war und gar nichts auf meine Surffähigkeiten hingewiesen hatte.

Ausser natürlich mein Geschlecht.

Die klassische Situation spielte sich beim Surfbrettmieten und -kaufen ab. Egal was ich wünschte, die männlichen Angestellten im Surfladen wussten immer ganz genau, welches Brett nun das richtige für mich war, nämlich immer das grösste Anfänger-Schaumbrett im Laden.

Auf Nachfrage, wie er wisse was ich brauch meinte ein Angestellter in Panama, er wisse es einfach und ich solle ihm vertrauen.

Ich weiss, dass viele Frauen ähnlich Erfahrungen machen wie ich. Immer wieder werden wir von Surfern im Wasser belehrt, andere äussern sich zur Wahl unseres Brettes und wieder andere schupsen uns unaufgefordert in die Wellen.

Oft musste ich leider feststellen, dass die männliche Hilfe nicht darauf abzielte, meine Surffähigkeiten zu verbessern, sondern von der Annahme ausging, dass ich die Fähigkeit dazu nicht habe, oder dass ich eigentlich mehr am Flirten als am Surfen interessiert bin. Mir ist klar, dass surfen ideal ist, um Leute kennenzulernen, Vertrauen aufzubauen und das eine gute Grundlage für weiteren Kontakt sein kann.

Ich interessiere mich aber wirklich fürs Surfen.

Und ich weiss, dass das viele andere Frauen auch tun. Wir haben vielleicht nicht die gleichen körperlichen Fähigkeiten wie Männer, aber wir sind durchaus in der Lage, Entscheide bezüglich unseres Surfbrettes, unserer Positionierung im Wasser und geeigneten Surfkonditionen für uns zu fällen. Viele Männer, denen ich begegnet bin, respektierten dies, aber viele leider auch nicht.

Männer, die wirklich daran interessiert sind, uns das Surfen beizubringen, nehmen uns ernst, surfen an unserer Seite und motivieren uns, unsere Fähigkeiten richtig einzusetzen.

 

2 Replies to “Sexismus im Surfsport: Meine Erfahrungen als Anfängerin”

  1. „Als Surfanfängerin wurde mir immer wieder von wild fremden Männern das Surfen erklärt. Ich hatte wohl schon fünfzig verschiedene Surflehrer. Bezahlt habe ich für vier davon und die restlichen waren selbsternannte.“

    Zugegeben: Ich war einmal alleine beim Bogenschieß-Training. Nach mir kam ein Vater mit seinem 10jährigen Sohn, die sich mal nen Bogen gekauft haben und jetzt schießen wollten. Sie machtens nur komplett verkehrt, hatten keine Ahnung, wie sie das Ding halten mussten, wie man auszieht etc. Ich versuchte ihnen zu erklären, dass sie sich damit durchaus verletzen können, wenn sie das falsch machen, v.a. der Junge, weil der Bogen ziemlich stark war. Und ich versuchte, ihnen zu zeigen, wie sies richtig machen.
    Wenn die Geschlechter hier vertauscht gewesen wären, wäre das sicher sexistisch rübergekommen, wenn ich als Mann einer Mutter samt Tochter das erkläre. Aber manchmal ists doch einfach nur ein Vorsprung an Erfahrung – und ja, vielleicht auch, dass man sich in der Rolle desjenigen gefällt, der Wissen weiterzugeben hat. Und hätte der Vater sich von einem Mann vielleicht eher etwas sagen lassen, als von mir?

    Aber wie du schreibst: Die Übergänge sind fließend. Dass dir keiner deiner selbsternannten Lehrer wirklich weiterhelfen konnte, sagt schon einiges. Dass sie sich eine gewisse „Belohnung“ dafür erwarten, wundert mich – leider – jetzt auch nicht :-/ Es ist für uns wohl schon so normal geworden, dass wir gleich von vorneherein überlegen, wie wir dann die unerwünschten Annäherungen abwehren können, dass es uns oft auch überrascht, wenn die gar nicht kommen.

  2. Sehr schöner Bericht. Ich surfe zwar selbst nicht, aber ich habe Szenerien wie du sie hier beschreibst schon ein dutzend mal am Strand beobachtet oder überhört. Es ist schade, das Frauen bei diesem (und vielen anderen Sportarten) nur wegen ihres Geschlechts von vornherein als Anfänger eingestuft werden. Umso cooler wenn du eine richtig gute Surferin wirst und sie alle dumm in die Röhre glotzen wenn du deine Wellen reitest ;).

    Alles Liebe, Rina
    https://darlingrina.com/2017/05/02/mumbai-indien-reisebericht-city-guide/

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